Tretinoin

Tretinoin Informationen

Das Tretinoin wird auch Vitamin-A-Säure (VAS) oder ­all-trans-retinoic acid (ATRA) genannt. Es handelt sich hierbei um ein Retinoid der ersten Generation, welches nicht aromatisch ist. Als pharmazeutischer Wirkstoff, also Arzneimittel, wird es hauptsächlich bei der systemischen Therapie von akuter Promyelozytenleukämie (APL) eingesetzt.

Was ist die akute Promyelozytenleukämie und wie wirkt dieses Retinoid?

Die akute Promyelozytenleukämie ist eine Subform der akuten myeloischen Leukämie (AML), vereinfacht ausgedrückt eine Variante des Blutkrebses. Im Differenzialblutbild von Patienten mit APL finden sich vermehrt Promyelozyten mit Auerstäbchen (irreguläre Zellorganellen). Diese Auerstäbchen enthalten lysosomale Enzyme, die in der Zelle eine Reifestörung verursachen. Auch weist das Blutbild eine typische promyelozytäre Körnung und eine zytochemische Färbung auf.
Wird nun das Tretinoin systemisch vom Körper aufgenommen, also direkt ins Blut- und/oder Lymphsystem übertragen, verteilt es sich schnell im ganzen Körper. Trifft es dort auf die Leukämiezellen, sorgt es dafür, dass diese rasch ausreifen. Diese so entstehenden reifen Granulozyten oder auch polymorphkernige Leukozyten genannt, haben ihre mitotische Aktivität dann komplett verloren. Wird gleichzeitig dazu eine Chemotherapie durchgeführt, liegen die Heilungschancen der akuten Promyelozytenleukämie bei bis zu 80%.

Die Krebsforschung geht weiter und Tretinoin könnte vielleicht bald auch bei anderen Leukämieformen helfen

Bisher hilft die Substanz einzig bei der eher seltenen akuten Promyelozytenleukämie, bei den wesentlich häufiger vorkommenden ­AML-Formen (AML = akute myeloische Leukämie) hingegen, sind wichtige Gene, auf die Tretinoin wirken könnte, ausgeschaltet. Forscher haben nun aber herausgefunden, dass sich diese Gene mithilfe von Tranylcypromin (einem Antidepressivum) wieder einschalten lassen. Im Ergebnis bedeutet dies: Sobald die Gene wieder eingeschaltet sind, werden die Krebszellen auch wieder anfällig für Tretinoin, reifen schneller und sterben früher. Wenn die Forschungen, deren klinische Studie der Phase II bereits gestartet wurde, so positiv weitergehen, könnten bald auch die meisten AML-Patienten mit einer Kombination aus Tranylcypromin und Tretinoin geheilt werden.